Neurodermitis und Mikrobiom

Neurodermitis und Mikrobiom
21. Februar 2017

berufsunfaehigkeitsversicherung-neurodermitisWie hängen Neurodermitis und das Mikrobiom zusammen und wie können Probiotika helfen?

Allergien und damit assoziierte Syndrome wie bespielsweise die Neurodermitis (besser atopische Dermatitis) sind weltweit auf dem Vormarsch. Man geht derzeit davon aus, dass 30-40% der Weltbevölkerung an wenigstens einer allergischen Erkrankung leiden. Was die atopische Dermatitis betrifft wird angenommen, dass etwa 10-20% der Kinder in den Industrienationen betroffen sind, wobei sie bei 60% der Kinder im ersten Lebensjahr auftritt.

Lange wurde die atopische Dermatitis als reine Autoimmunerkrankung betrachtet. Heute geht man jedoch auf Basis der „Hygienehyothese“ davon aus, dass eine fehlende Toleranzentwicklung des Immunsystems wegen des fehlenden Kontakts zu Mikroorganismen v. a. im Darm zu einer überschießenden Entzündungsreaktion führt. Durch eine instabile und durchlässige Barriere gegenüber der Außenwelt nicht nur an der sichtbaren Haut, sondern auch im Bereich der Darmschleimhaut kommt das in der Kindheit unzureichend trainierte Immunsystem mit Mikroorganismen und Allergenen in Kontakt. Dies löst die Entzündung aus und führt unter anderem zu dem typischen Hautbild. Häufig bleibt die Entzündung jedoch nicht auf die Haut beschränkt. Viele Patienten leiden zusätzlich unter Asthma bronchiale, Lebensmittelunverträglichkeiten und/oder -allergien, Heuschnupfen oder chronsicher Nasennebenhöhlenentzündung. Nicht selten berichten sie bzw. die Eltern von ständigen Infekten der Atemwege oder Mittelohrentzündungen, die wiederholt mit Antibiotika behandelt wurden.

Der Dickdarm des Menschen ist in etwa mit 1 Billion Mikroorganismen besiedelt. Diese verteilen sich auf 400 bis 500 verschiedene Arten. Eine hohe Vielfalt von Mikroben im Darm ist hierbei entscheidend für das Funktionieren dieses komplexen Systems. Hiervon hängt einerseits eine gesunde Verdauung der aufgenommenen Nahrung ab. Ohne die Hilfe der Mikroben könnten wir bestimmte Nahrungsbestandteile nur unvollständig verdauen und unsere Versorgung mit Mikronährstoffen wäre nachhaltig gestört. Aber auch die richtige Balance des Immunsystems wird im Magen-Darm-Trakt geregelt. Zwischen 70 und 80% unseres Immunsystems befinden sich um den Darm herum. Unter erheblichem Einfluss der Mikroben entscheidet sich hier, ob unser Abwehrsystem überschießend arbeitet und z. B. Allergien oder Autoimmunerkrankungen entstehen.

Mehrere wissenschaftliche Studien ergaben Hinweise zwischen einer gestörten Darmflora und der atopischen Dermatitis. Insbesondere Störungen bei der mikrobiellen Darmbesiedlung im ersten Lebensjahr sind hier ein starker Risikofaktor. Aber auch spätere Eingriffe in dieses hochkomplexe Ökosystem können zur Auslösung einer Erkrankung führen. Antibiotika spielen hier die größte Rolle, da sie absolut unselektiv die Darmbaterien zerstören. Leider sind es überproportional häufig die nützlichen Darmbakterien die unter diesen Therapien leiden.

Die funktionelle Medizin bietet Betroffenen die Möglichkeit tiefgreifend die Ursachen der Erkrankung zu behandeln. Anders als reine symptomorientierte Ansätze mit meist kortisonhaltigen Cremes erfolgt hier die Therapie gezielt durch das Aufspüren und Ausschalten der auslösenden Umwelteinflüsse, durch die Wiederherstellung des Gleichgewichts des Mikrobioms und des Immunsystems und durch Induktion von Reparaturvorgängen an den Körperbarrieren.

Wenn Sie mehr über die Möglichkeiten der funktionellen Medizin bei der Therapie der atopischen Dermatitis oder bei anderen chronischen Erkrankungen erfahren möchten vereinbaren Sie gerne eine Termin in unserer Sprechstunde!
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Brinkmann (2/2017)
Quelle: „Probiotics and Prebiotics in the Prevention and Treatment of Atopic Dermatitis“; Dissanayake Eishika and Shimojo Naoki. Pediatric Allergy, Immunology, and Pulmonology. December 2016, 29(4): 174-180. doi:10.1089/ped.2016.0708.